Schlaf krallt  – eine Männer-arbeits-zukunfts-phantasie

 

 

Die ersten Augenblicke nach dem Aufwachen sind am schönsten. Dieses Stadium zwischen Dusel und Wirklichkeit, diese Scheinwelt, in der Träume beeinflusst und fortgesponnen werden können, diese entrückte Zeit, bevor die realen Probleme des Leben wieder das Bewusstsein dominieren. Die Nacht, wie immer, viel zu kurz und die Erwartung an den neuen Tag in der schönen neuen Welt tendiert nach Null. Also weiter dösen, sich recken und  die Beine ausstrecken, um die leichten Krämpfe zu vertreiben und dabei das dumpfe Grollen hinter dem Stirnbein ignorieren. Langsam lösen sich die ersten klaren Gedankenbilder aus dem Gewirr der auf Traum programmierten Synapsen, die ersten produktiven, proaktiven Eingebungen formen sich. Doch was sich durchsetzt in diesem nebulösen Wattebausch ist kontraproduktiv. Wäre heute ein Tag Urlaub möglich? Sollte man nicht mal das Guthaben des Gleitzeitkontos abschmelzen? Dem Kopfweh folgt bestimmt eine Grippe, dann kann man doch nicht mehr als potentielle Virenschleuder durch die Gegend traben und Kollegen anstecken. Nein, das geht alles nicht, nicht mal ein hundsnormales Zuspätkommen kannst du dir leisten, so wie die dich gerade auf dem Kieker haben. Es ist nichts drin, ganz schlicht und einfach nichts drin, all die Wünsche und Ideen en vain. Alsdann, das Gesicht noch einmal in das Kopfkissen schmiegen, für ein kurzes Weilchen alles, aber auch alles vergessen, dann gähnen, aufstehen, pinkeln und missmutig die Espressomaschine einschalten.

 

In der Eingangshalle des Büroturms der Firma herrscht reges Treiben, wie immer zur morgendlichen Rush-hour. Die Leute drängeln sich ungeduldig, schon um diese frühe Zeit genervt. Die Minuten reihen sich, dehnen sich, doch dann stehst du endlich vor einer der Solokabinen, die Tür geht auf, du trittst ein und das matt-rötliche Auge von HAL glotzt dich an, von HAL dem einzigartigen, alles wissenden, alles bestimmenden Hyper Allmighty Leviathan, dem Supercomputer der Firma. Du starrst, wie vorgeschrieben, eine Sekunde lang in dieses verdammte rötliche Auge, dann bist du erfasst, registriert, codiert und dann kriegst du diese virtuelle Klette nicht mehr los, bis du abends wieder durch diese verdammte Schleuse gehst, um dann endlich in das wahre Leben, in dein Sein einzutauchen. Wenn HAL dich, nahezu in der biblischen Bedeutung dieses Wortes, erkannt hat, spult er mit leicht erotischer, rauchiger Frauenstimme, du bist ja schließlich ein empfindsamer Mann, sein Begrüßungsprogramm ab. Er, oder in dieser Rolle besser sie, nennt deinen Namen, fragt dich, wie es dir geht. Sie fragt dich, als ob sie ein Mensch wäre, ein Kumpel, ein fühlendes Wesen und kein Android. Und HAL erwartet eine Antwort, als ob diese  Ansammlung von Chips und Dioden, dieses ätherlose Elektronengehirn, sich tatsächlich für deine Befindlichkeiten interessieren würde. Komm, du Arsch, mach schon, gib die Parole des Tages aus und lass mich endlich durch. Heute mal wieder eine Aufforderung alle Sicherheitsregeln strikt einzuhalten, morgen wird es wohl ein Appell sein, sich als Führungskraft vorbildlich zu verhalten, übermorgen... Es lohnt sich nicht darüber nachzudenken, jeden Tag derselbe hirnlose Scheiß. Und zum Schluss hat das Monstrum auch noch die Frechheit, dir einen guten und erfolgreichen Arbeitstag zu wünschen.

 

Dabei scheint heute ein Glückstag zu sein. Die Schleusentür öffnet sich ohne weiteres Gelaber und der Weg zum Fahrstuhl ist frei. An Pechtagen meckert HAL über dein schlechtes Aussehen, deine ungesunde Gesichtsfarbe, die Ringe unter den Augen oder deinen so demonstrativ desinteressierten Blick. Dann gibt es Ermahnungen und Belehrungen und du musst Selbstverpflichtungen daherleiern, wie du die Freizeit besser zur Erholung nutzen willst, weil die Firma eine Anrecht auf deine volle Arbeitskraft hat und für das viele Geld, das du einstreichst auch deine absolute Einsatzbereitschaft fordern kann und noch mehr so ein Bla-Bla. Und all den Mist musst du ernst nehmen, denn wenn du am nächsten oder am übernächsten Tag wieder auffällst, gibt es Minuspunkte auf deinem persönlichen Verhaltenskonto und das ist Schiet.

 

Vor der Bürotür noch einmal ein Blick in dieses unergründliche Auge, dann geht die Tür auf und des Allmächtigen Stellvertreter, der große Monitor auf dem Schreibtisch, dreht sich dir zu und die meditative Arbeitseinstimmungsphase beginnt. Heute erscheint, jahreszeitlich angepasst, eine herrliche Schneelandschaft mit tiefblauem Himmel, dazu plärrt sentimentale Popscheiße, morgen vielleicht ein Palmenstrand mit Hardrock oder Praterrosen mit Mozart. Zum Glück dauert die Seelenmassage nicht lange, nur grade so lange, bis du auf deinem Schreibtischstuhl sitzt und die Induktionsschleife des Anwesenheitssensors dich erfasst hat. Dann fängt HAL an, dir die Arbeit zu diktieren. Erst das Tagesprogramm mit der Auflistung der unerledigten Probleme, dann die neu anstehenden Arbeiten, schließlich das Feedback des Vortags: Äußerungen von Kunden, Kollegen, Vorgesetzten. Es sind meistens Terminbeschwerden und Nachbesserungs­­­wünsche, selten harsche Kritik, man könnte ja zurückschießen, noch seltener ein Lob. Die Bilanz für gestern, 0 Pluspunkte, 5 Minuspunkte, könnte schlimmer sein.  Und nun endlich  ist der Zeitpunkt gekommen, wo du selbst in Aktion treten kannst. 

 

Aber was heißt schon, selbst in Aktion treten? Eigentlich braucht die Firma gar keine Menschen. HAL könnte alles allein machen, er könnte alles richtig, schnell und zuverlässig erledigen. Meistens jedenfalls, wenn da nicht doch ab und zu mal etwas schief laufen würde. Und dann sind wieder  Menschen gefragt. Denn wenn etwas schief geht, braucht man einen Sündenbock und keinen Sündencomputer. Ein Wesen aus Fleisch und Blut, eine fühlende Brust unter Siliziumlarven, die man maßregeln und die man zur Schnecke machen kann. Eine Kreatur die leidet, wenn man ihre Position oder ihr Gehalt herabstuft und die Schmach nicht nur in ein RAM abschiebt. Neben der Übernahme von Verantwortung muss ein Homo ab und an Entscheidungen treffen, und zwar ein sapiens, nicht nur ein erectus, immer dann, wenn das Eisen heißer ist als die Luft, die hier produziert wird, so heiß, dass sich kein anderer Dummer findet. Entscheidungen fällen und Verantwortung übernehmen hört sich doch gar nicht so schlecht an. Das sind doch die klassischen Aufgaben des Führungspersonals. Denkste - die wichtigste Arbeit in der Firma besteht darin, HAL zu bescheißen. Wie das? Es ergibt sich aus der Logik des Arbeitskonzeptes. Jede Arbeitseinheit, jede Dienstleistung, jede Arbeitsstunde muss verbucht und auf die Konten der Auftraggeber verteilt werden. Am Monatsende muss die Bilanz stimmen. Es sollten keine Miesen in Form von unverteilten Arbeitseinheiten vorliegen. Das geht ganz gut, wenn viel Arbeit da ist, wenn kaum einer Zeit für Nachprüfungen hat. Aber wenn die Onanie Konjunktur hat und alle nur mit sich selbst beschäftigt sind, landest du rasch in einer Problemzone. Rechtfertigungen, Erklärungen, Umbuchungen sind die Folge, im schlimmsten Fall, wenn das Desaster anhält, könnte einer aus der Vorgesetztenkette oder HAL selbst auf die Idee kommen, deinen Arbeitsplatz einzusparen, wegzurationalisieren, zu canceln. Dann ist deine ureigene Kacke am Dampfen. Fire geht ganz schnell, aber hire nicht, vor allem nicht in schlechten Zeiten und besonders beknackt ist es, wenn du als 1984er jetzt schon deutlich über 40 bist. Diese permanente Seelen auffressende Angst treibt die Mitarbeiter dazu, viel, viel Zeit mit Bescheißen zu verbringen und viel, viel Gehirnschmalz in raffinierte Verschleierungstechniken, in Catch 22, zu investiert, denn die Kunden und deren Computer sind ja Mediamarkt gedrillt, also auch nicht blöde. Hier, wie überall gilt das 11. Gebot: Du sollst dich nicht erwischen lassen.

 

Nach zwei Stunden verkündet HAL endlich die Kaffeepause. Eine Stunde später steht videokontrollierte Gymnastik am Arbeitsplatz an, verbunden mit direkter on-line Übertragung der Pulsfrequenz an ZAC, den Zentralen Arbeitsmedizin Computer, HALs kleinen Bruder. Die Firma legt großen Wert auf permanent gesundheitsbewusstes Verhalten. Das zeigt sich auch an dem vorgeschriebenen Kurzspaziergang auf der Dachterrasse, jeden Tag nach dem Mittagessen. In diesen modern times ist alles vorgegeben, alles reglementiert, alles wird überwacht, alles ist höchst effizient organisiert, selbst die Zeit für den Tratsch mit den Kollegen. Soft skills sind ein wichtiges Instrument der Personalführung. Soziale Kontakte sind fest in den Tagesablauf eingeplant, ganz offiziell und daher verpflichtend. Zum Glück gibt es noch ein Fitzelchen Freiheit, man kann selbst bestimmen, zwar nicht ob, aber mit wem man parliert.

 

Jetzt ist erst mal Kaffeepause. Vor dem Getränkeautomat im RCC, dem Re-creation-center, drängeln sich die Kollegen. Jeder steckt seinen Zeigefinger in das Mauseloch. Eine Gummimanschette legt sich sanft um diesen Finger, ein Scanner nimmt einen Fingerabdruck, damit das richtige Gehaltskonto mit deinem Kaffee belastet wird, sofern du überhaupt einen bekommst. Denn gleichzeitig wird der Blutdruck gemessen und ZAC berechnet blitzschnell Stärke und Menge des Kaffees, den du deinem Körper zumuten darfst. Wenn du Pech hast, bekommst du nur ein sehr stilles Mineralwasser, selbst das Kohlendioxid wäre zu anregend, aber wenn du Glück hast, weil dein Blutdruck schon fast im Tal des Todes angelangt ist, bekommst du eventuell sogar mal einen dreifachen Espresso. Lass dich einfach überraschen. Überraschungen finden auch jeden Mittwoch statt, dem spannendsten Tag der Woche. Da beißt nämlich die Maus in deinen Finger, der Getränkeautomat (!) zapft ein winziges Tröpfchen Blut ab und analysiert es vollautomatisch auf Cholesterin, Zucker, Drogen und andere nette Kinkerlitzchen. Und gefüttert mit dieser Information legt ZAC deinen individuellen Speiseplan für das Mittagsmenü der kommenden Woche fest und das ist dann immer eine spannende Sache.

 

Heute ist der Blutdruck normal und damit auch der Kaffee und du kannst ganz locker noch etwas tratschen und klatschen und ein wenig von deiner kostbaren Zeit verplempern. Der Glückstag scheint sich fortsetzen zu wollen. Doch dann, zurück auf Arbeit, geht der Stress los. Schon vor der Bürotür aufgeregtes Piepsen, HAL hat eine wichtige Nachricht. Kaum berührt dein Hintern den Anwesenheitssensor, erscheint auf dem Allmächtigen das zornige Gesicht eines der Chefs. Ungehalten will er wissen, wo man denn so lange gewesen sei, die Frühstückspause sei doch längst vorbei und man habe keinen plausiblen Grund für die Abwesenheit hinterlassen. Schlussendlich sei man zum Arbeiten hier und nicht zum Diedeldei. Und jetzt aber hopp, er brauche die XY Akten. Es gibt tatsächlich noch Akten aus Papier, man traut HAL und Co in wichtigen Dingen nicht. Daten können auf unerklärliche Weise verschwinden, Fakten werden verdreht, Hinweise gelöscht. Die Sicherungskopie aus gutem, altem Papier ist dann Gold wert. Du durchwühlst die Ablage und überlegst, warum HAL keinen plausiblen Grund parat hatte. Computer sind ja doch so was wie Menschen, manchmal, wenn du dich mit dem Bescheißen etwas zurückgehalten hast, hilft er dir sogar. Geben und nehmen. Konnte er nicht, weil dein Tratschzeitkonto schon heillos überzogen ist? Oder warst du in letzter Zeit zu oft auf dem Klo? Wenn man zu oft pinkeln geht, wird einem schon mal empfohlen einen Urologen zu konsultieren. Das große Geschäfte sollte man sowieso während der Arbeitszeit vermeiden, und das nicht nur wegen der Belastung des Zeitkontos. Es soll Fälle gegeben haben, dass ZAC ohne Rücksprache einen Termin beim Internisten oder beim Proktologen vereinbart hat. Weiß der Henker, was die Daten beim Scheißen ermitteln.

 

Die schlimmste Stunde des Tages fängt gleich nach dem Mittagstörn an, die Stunde der Besprechungen und Belehrungen. Dies closeting findet jeden Tag statt, ob’s stürmt oder schneit, ob die Sonne uns lacht, ist todeslangweilig und bringt keinerlei Informationsgewinn, nichts an brauchbaren Erkenntnissen, weil HAL schon alles weiß und alles entschieden hat und weil es daher nichts mehr zu besprechen oder zu entscheiden gibt. Und all diese Belehrungsorgien ver-Puff-en nach so vielen Jahren wirkungslos, sie diffundieren ins Weltall. Die Stunde ist jedoch im heiligen Organisationsplan vorgesehen und wird durchgezogen. Sie dient vor allem der Selbstdarstellung der Chefs und der Profilierung karrieregeiler Kollegen. Es werden überflüssige Vorträge gehalten, irrelevante Statistiken zelebriert oder detaillierte Analysen obskurer Vorgänge mit heiligem Ernst verkündet. Um diese Stunde zu überleben, musst du in die Second-life-world der Träume abtauchen, aber dazu musst du erst mal einen Stuhl im Videoschatten ergattern. Ein Sitzmöbel im Bestuhlungsbereich wo man von den versteckten Big-Brother-Augen nicht erfasst wird, die sonst jedes Vor-sich-hin-dösen und Einnicken registrieren und flugs ein Signal auf dein Handy senden, das dann wie ein Luxusvibrator herumtobt. Die Unterbrechung der Entspannungsphase wäre nicht weiter schlimm, wenn da nicht dein persönliches Verhaltenskonto mit Minuspunkten belastet würde. Zu viele Minuspunkte und die nächste Gehaltserhöhung stockt, der Bonus schmilzt, die Karriereleiter wird zu einer kurzen und beschissenen Hühnerleiter. Es reicht ja schon, wenn die kleinen, mühsam erworbenen Privilegien des Alltags perdu sind, freier Internetzugang, Empfang unzensierter e-mails, persönliches Wunschessen einmal die Woche. Es gibt Schattenplätze, aber die sind rar und heiß begehrt. Manch einer opfert sogar einen Teil der Mittagspause, um rechtzeitig Stellung zu beziehen.

 

Heute hat es geklappt. Ein super Platz, ganz weit hinten, außerhalb der Gefahrenzone.  Nun sitzt du da und versuchst dich sogar auf die Redner und ihre power-point-Orgien zu konzentrieren. Es ist mühsam, es ist hart und es wird immer unmöglicher. Dein Blick schweift ab, schweift über das Humankapital der Abteilung, über die Metropolis Arbeiterschar die mit gebeugten Rücken und eingezogenen Köpfen dasitzt und bleibt schließlich an der Neuen hängen. Sie ist jung, karrieregeil und sitzt kerzengrade in der dritten Reihe. Wie gut sie angezogen ist und was für Beine die hat und wie hoch sich der Rock geschoben hat. Du starrst sie an, durchbohrst sie mit deinem geilen Blick und sie scheint das zu spüren, denn sie dreht sich um und lächelt dich maliziös an. Du grinst zurück und sie, sie dreht den ganzen Stuhl um, spreizt aufreizend ihre Beine bis du l’ origine du monde siehst, den Ursprung der Welt. Dann steht sie auf, hebt mit der einen Hand ihren ohnehin kurzen Rock noch höher, knöpft mit der anderen ihre durchsichtige Bluse auf und kommt im Cat-walk auf dich zu. Sie steht vor dir, du glotzt sie an, verwirrt, total plemm-plemm. Sie beugt sich zu hier herab, öffnet dabei den grell rot bemalten Mund. Und jetzt schwimmt dieser Mund direkt auf dich zu und will dich auffressen. Du siehst die Lippen ganz nahe, mit der dicken Schicht roter Schminke, die Zähne samt Zahnsteinablagerungen und Füllungen, das Zahnfleisch mit der paradontösen Entzündung am oberen Gaumen, die weißlich belegte Zunge voller Papillen, den dunklen Rachen mit dem Gaumensegel und dem rosaroten Zäpfchen und den Schlund, schwarz und tief und unergründlich. Du spürst den ausgestoßenen Atem und riechst das Lammkotelett mit Knoblauch, den Blumenkohl und den Espresso vom Mittagsessen, simultan, nicht seriell. Du spürst wie diese Atemluftsäule anfängt zu tanzen und durch die Stimmbänder zum vibrieren gebracht wird und wie ein girrendes Lachen sich über dich stülpt. Deine Sinne nehmen nur noch diesen Mund wahr, der dich genauso vereinnahmen will, wie der Schlaf dich vereinnahmt hat. Dein Kampf ist heroisch, aber vergebens. Der Schlaf krallt von hinten deine Augen, drückt deine Lider mit Macht nach unten, überschüttet dein Bewusstsein erneut mit diesem nebulösen Wattebausch, reißt dich aus dem Leben und stößt dich in den kleinen Tod. Er entführt dich aus der öden, dumpfen Realität in die herrliche, spannende Welt des Traums. Dein Kopf ist auf die Brust gesunken, aus deinem selig lächelnden, halb geöffneten Mund kommen erst leise, dann zunehmend lauter zufriedene Schnarchgeräusche. Endlich bist du wieder in der süßen Phase zwischen Traum und Wirklichkeit angekommen. Und die ist noch schöner als die beim Aufwachen am Morgen, denn während der grellrote Mund dich einsaugt und der Schlaf dich krallt, baut sich eine gewaltige, herrliche Auferstehung des Fleisches an.

 

Doch der Preis des Entrücktseins wird umgehend eingefordert. Jemand rüttelt an deiner Schulter, du hörst Sätze wie  „He, Sie da. Sind Sie von allen guten Geistern verlassen? Ist das, was hier abgeht, nicht interessant?“ Sätze, die dich in die Wirklichkeit zurück katapultieren. Du spürst wie sich alle Blicke auf dich richten. Auch die der Neuen in der dritten Reihe, einer grauen Maus im grauen Hosenanzug. Du wirst puterrot, setzt dich kerzengerade hin und lauschst voller Aufmerksamkeit und Konzentration den Ausführungen der Redner.

 

 

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