Kur mit Schatten

 

Der junge Mann hatte zweimal Pech, großes Pech. Das erste Mal beim Volleyball, als ein Abwehrspieler nach erfolgreichem Block voll auf sein Knie prallte, weil er mit seinem linken Bein im Feld des Gegners stand. Ein hörbarer Knall, ein stechender Schmerz, dann fiel er um und blieb liegen. Kreuzbandriss am Knie. Nach der erfolgreichen Operation, das Band war wieder an den Knochen geklebt worden, musste er für drei Wochen in eine Reha-Klinik. Ein Aufenthalt, den er nicht wollte, aber seine Versicherung schickte ihn in ein Kurbad, das er sich noch nicht einmal heraussuchen konnte.

Nun war er also hier und musste sich widerwillig in den Kuraufenthalt fügen. Die Klinik lag am Rande eines schönen, ausgedehnten Parks, das war aber auch das einzige, was ihm an seiner neuen Umgebung gefiel. Gegen die angestaubte Einrichtung hatte er sofort einen heftigen Widerwillen entwickelt und auch gegen die alten bis uralten Mitpatienten, mit denen ihn nur eins verband, die Unfähigkeit problemlos gehen zu können. Aber er konnte sich wenigstens fortbewegen, erst mühsam und langsam mit den lästigen Krücken, dann aber immer besser und freier und ohne Schmerzen.

Mit dem Sonnenaufgang begann sein Ungemach. Um fünf Uhr pfiffen und kreischten ihn die Vögel aus dem unruhigen, oft unterbrochenen Schlaf. Er lag dann wach in seinem Bett und wartete, dass die Zeit verging. Diese quälende Warterei würde ihn durch den ganzen Tag begleitete. Kurz vor acht reihte er sich in die Schlange der Frühstückpilger ein, die sich aus der Eingangshalle bis in den Speisesaal zog. Er nahm sich Müsli und Quark, schmierte sich ein Marmeladenbrot und trank dünnen Milchkaffee. Dann setzte das organisierte Warten ein bis endlich die Anwendungen begannen. Eine halbe Stunde Bodengymnastik, warten, eine halbe Stunde Hometrainer, wieder warten, eine halbe Stunde die heilenden Hände des redseligen Physiotherapeuten, erneut warten. Zum Schluss des Vormittags, nach einer halben Stunde Entspannungsübungen, durfte er sich auf sein Zimmer zurückziehen und den Blick vom winzigen Balkon auf die grüne Wand des Kurparks genießen. Kurz vor zwölf war er Teil der Mittagsschlange und wartete auf Flädlesuppe, arme Ritter mit Vanillesoße, Linsenspätzle, Kotelett mit Salzkartoffeln oder gedünsteten Kabeljau in Senfsoße, statt Wein Leitungswasser, statt Bier Pfefferminztee. Nach der Quarkspeise oder dem Schockoeis, ging er zurück auf sein Zimmer zur heilige Mittagsruhe. Der einzige Zeitvertreib war RTL2 am Nachmittag, eine unzumutbare Strafe, aber die Fernbedienung war defekt und er könnte dem gebotenen Schwachsinn nur durch Fernsehabstinenz entkommen, die aber war noch unerträglicher.

Dann wieder derselbe Kurbetrieb wie am Vormittag. Zusätzlich wurde jeden Tag ein Vortrag angeboten, zum Beispiel über die richtige Ernährung im hohen Alter oder wie werde ich in einer Woche Nichtraucher ohne Mühe. Diese Vorträge waren Teil der ganzheitlichen Therapie und er musste sie über sich ergehen lassen, obwohl er weder alt war noch rauchte. Der Höhepunkt des Tages war am späten Nachmittag die mit heiligem Ernst zelebrierte Visite des angegrauten Kurarztes, der sich kaum um sein Knie kümmerte, ihn stattdessen nach allen möglichen Leiden befragte, um diese gegebenenfalls wegkurieren zu können. Danach hieß es nur noch pünktlich ab sechs in der letzten Schlange des Tages zu warten, bis man vor dem Abendbüffet stand, Quark, Schinken, Graubrot, Kamillentee. Dann begann der Feierabend, aber was hieß denn schon feiern am Abend? Was vom Tage übrig blieb, war die ätzende RTL-Glotze, die Minibücherei mit zerfledderten Zeitschriften und unsäglichen Heimat- oder Liebesromanen. Es blieb eigentlich nur ein Besuch in der alkohol- und nikotinfreien Cafeteria, dem Treffpunkt der halbwegs fitten Patienten. Doch deren Gespräche drehten sich meistens um die kollektiven Leiden und die Klagen über den schlecht organisierten Kurbetrieb und langweilten ihn schon am ersten Abend. Die Nächte in der ungewohnten Umgebung, in diesem fremden, schmalen, harten Bett waren weitgehend schlaflos, bis der erste Pfiff im Morgengrauen ihn dann doch aus dem Schlummer riss.

Was ihm als Ablenkung blieb, war die Beobachtung seiner Mitmenschen. Er setzte sich in den Wartepausen in die Halle und sah all den Gebrechlichen zu, die an ihm vorbeidefilierten. Alle Stadien des Verfalls waren zu sehen. Desorientierte Männer, die von ihren Frauen zu den Anwendungen geschleppt wurden. Alte Frauen mit Rollator, alte Männer im Rollstuhl, jede Mengen Krücken und alle Arten von Gehhilfen. Wenn er vor die Eingangstür trat, in den Andienbereich, in dem die Krankenwagen regelmäßig die Neuankömmlinge aus den Krankenhäusern, in denen sie operiert worden waren, ankarrten, traf er auf den Klub der wind- und wettererprobten Raucher. In der Klinik war es selbstverständlich überall und ausnahmslos verboten zu rauchen, aber in einiger Entfernung zum Eingang, hatte sich eine florierende Kommunikationszentrale etabliert. Nirgends wurde so intensiv miteinander geredet, nirgends war der Aufenthalt anscheinend angenehmer als hier, auf der Insel der Verfemten. Einmal wollte ein älterer Mann im roten T-Shirt einfach weggehen. Er war schon vor dem Haus und ging, so gut man als Gehbehinderter gehen kann, in Richtung Park. Zwei Krankenschwestern rannten ihm nach, redeten auf ihn ein. Er wehrte sie ab, eine ältere Frau kam, vermutlich eine Ärztin, auch sie hatte keinen Erfolg. Der Mann blieb störrisch. Ein Kreis Neugieriger hatte sich gebildet, die mit Kommentaren nicht sparten. Das Duell war unentschieden, doch da nahte die finale Lösung. Ein stämmiger, grimmig dreinblickender Pfleger schob einen Rollstuhl vor sich her. Der Querulant wurde kurzerhand hineingesetzt und trotz seines wütenden Protestes angebunden und in die Klinik zurückgeschoben. 

Neben all den Patienten, die das Spektrum menschlicher Vielfalt und menschlichen Verfalls von stinknormal bis höchst wunderlich abdeckten, gab es zum Glück auch noch das Personal. Hier sah man einige junge Pfleger und hübsche Krankenschwestern - oder waren es Ärzte und Ärztinnen - man konnte das am Äußeren der uniformen weißen Kittel nicht unterscheiden. Die Mehrheit des Weißkittelpersonals bildeten jedoch gestandene, resolute Weibspersonen. Es gab auch noch das Blaukittelpersonal der Putzfrauen, die ihm auf den schier endlosen, dunklen Fluren begegneten und ausnahmslos und offensichtlich von fremdländischer Herkunft waren. An der Rezeption saß eine stark geschminkte Endvierzigerin, die vor lauter telefonieren die Ratsuchenden minutenlang warten ließ und in der Cafeteria regierte eine dralle Person mit großer Oberweite und weißem Käppchen auf dem ondulierten blonden Haar, die zu jedermann freundlich war.

Zum Glück war das Wetter schön und er konnte seine Beobachtungen auch im Park fortsetzen. An und auf den hohen, alten Bäume tummelten sich Eichhörnchen und auf den Spitzen hatten die Krähen, die ihn morgens mit ihrem Geschrei weckten und abends mit Radau schlafen gingen, ihre Nester gebaut und schissen jeden Tag aufs neue die darunter liegenden Parkwege voll. Auf den ansonsten sehr gepflegten Wegen radelten Kinder, junge Mütter schoben im partnerschaftlichen Gespräch ihre Kinderwagen, einmal sah er sogar ein Mädchen auf einem Pony dahertraben und natürlich waren auch die beweglicheren Mitpatienten hier unterwegs.

Nachdem er die erste Woche so leidlich überstanden hatte, alles war noch neu und ungewohnt, graute es ihm vor dem Wochenende. Seine Mitpatienten am Tisch hatten ihn gewarnt. Am Wochenende sei in der Klinik absolut nichts los, keine Anwendungen, kein Programm, kaum Personal, viele Patienten würden von ihren Angehörigen nach hause abgeholt, andere bekamen Besuch und gingen in das Restaurant, das zu den Wellnessthermen gehörte. Der Speisesaal war kaum besucht, die Cafeteria leer, das Essen noch langweiliger als unter der Woche. Dieses Anstaltsessen schmeckte ihm in der zweiten Woche noch weniger und die Anwendungen ödeten ihn noch mehr an, ihr Nutzen und ihr Sinn leuchtete ihm immer weniger ein. Er fluchte über die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln, die nur da zu sein schienen, die Effizienz des Betriebs zu behindern und die Patienten zu schikanieren. So musste er nicht nur ständig warten, vor dem Aufzug, vor dem Gymnastikraum, im Geräteraum, vor der Massage sondern sich auch des öfteren für irgend etwas anstellen, sei es für einen Stempel auf einer Karteikarte, sei es für eine Unterschrift auf einer Bescheinigung und natürlich vor dem Essen. Selbst vor dem Einschlafen und nach dem Aufwachen hatte das Warten kein Ende. Die unendliche Langeweile, die sich daraus ergab, lag wie ein grauer Schleier über dem Kuraufenthalt. In der Klinik selbst gab es keine Abwechslung vom täglichen Einerlei und der Weg in den Ort war weit, das Taxi teuer und das Angebot an Amüsiermöglichkeiten sehr bescheiden, wie er sich von einem wagemutigen Erkunder hatte sagen lassen.

Doch am Mittwoch änderte sich alles. Die Stationsärztin hatte angeordnet, dass er in die Wellnessthermen gehen solle, um seine Beine gleichmäßig zu bewegen und die Muskulatur zu stärken. Der Badeort war berühmt für sein warmes, nach verfaulten Eiern stinkendes Mineralwasser mit großer Heilwirkung für die, die da glaubten. Zum Glück war im Schwimmbecken kein Heilwasser sondern ganz normales, warmes Wasser. Die Wärme war Balsam für die geriatrischen Badegäste. Sie drehten langsam ihre immer gleichen Kreise, achteten penibel darauf, dass keiner falsch schwamm, machten brav alle Übungen mit, die eine gutproportionierte Vorturnerin im engen körperbetonenden Trainingsanzug vorführte, drängelten sich um die wenigen Plätze im Whirlpool, belegten die Liegen mit ihren Handtüchern, trotz eindeutiger Hinweise, die das untersagten und redeten laut mit ihren schwerhörigen Nachbar über ihre Krankheiten, die Enkelkinder und das Fernsehprogramm.

Das Bad war genauso langweilig wie das Sanatorium und der gesamte Kurort. Doch ganz plötzlich stellte sich die so sehnlich gewünschte, kaum noch erhoffte Abwechslung ein, als er die Frau seiner Träume entdeckte. Diese Frau, fast noch ein Mädchen, saß in dem Glaskäfig der Schwimmaufsicht und er wunderte sich, dass sie der Bademeister sein sollte. Er sah aus seiner tiefen Position erst nur ihr fein geschnittenes Gesicht und ihre langen, gekräuselte, schwarze Haare und war sofort in sie verschossen. Als sie ihr Kabuff verließ und er ihrer schlanken Figur in dem engen T-Shirt mit Blumenaufdruck und den noch engeren Jeans ansichtig wurde, war er vollends kirre. Er hing nun die meiste Zeit am nahen Beckenrand, vernachlässigte seine Bein- und Schwimmübungen und verfolgte das obskure Objekt seiner Begierde mit sehnsüchtigen Blicken. So endete der Dienstag sehr beschwingt und voller Hoffnung.

An den folgenden Tagen suchte er das Bad so oft auf, wie er konnte. Der teure Eintritt scherte ihn nicht, da Baden Teil der Therapie war und von der Kasse bezahlt wurde. Sein unverhohlenes, ja provokantes Interesse an der schönen Bademeisterin  war dieser natürlich nicht verborgen geblieben und sein Glück war grenzenlos, als sie auf sein andauerndes Geglotze durchaus freundlich reagierte. Nach einer Weile flirteten sie per Augenkontakt. Ein wohliges Gefühl durchströmte ihn, wenn sie ihn mit ihren tiefschwarzen Kajalaugen ansah und mit ihren grellrot geschminkten Lippen einen verstohlenen Luftkuss andeutete. Dann begannen sie, sich zuzuwinken, wobei sie ihre Hand mit den rotlackierten Fingernägeln nur zu einem verstohlenen Gruß hob, während er mit dem ganzen Arm in der Gegen herumfuchtelte. Am späten Nachmittag sprach er sie schließlich an, als sie am Beckenrand stand. Sie wechselten die ersten Worte. Er war vom Klang ihrer Stimme entzückt und achtete kaum darauf, was sie sagte.

Am nächsten Tag lud er sie in ihrer Mittagspause zu Kaffee und Erdbeereis mit Sahne in der Tahitilounge ein, wie sich die Cafeteria hier nannte. Er erfuhr nun so allerlei über seinen Schwarm, so zum Beispiel, dass sie aus dem nahen Osten stamme, bei ihrer Familie lebe und erst vor kurzem die Realschule beendet habe. Sie erzählte ihm, dass sie eigentlich nur als Aushilfe eingestellt worden war, aber trotzdem mit einem Kollegen zusammen den Bademeister vertrete, weil der einen  Unfall hatte und krankgeschrieben sei. Das war möglich, weil sie gut schwimmen könne und in der Schule den Rettungsschwimmer gemacht habe. Er bekam auch heraus, dass sie derzeit keinen festen Freund hatte, ja noch nie einen gehabt hatte, weil ihr Vater ihr verboten hatte, mit jemandem „zu gehen“. Es war eine schöne, kurze Woche an deren Ende beide heftig ineinander verliebt waren.

Doch noch vor Beginn der dritten Kurwoche, am Sonntagabend, war alles zu Ende. An sich hatte sie an diesem Sonntag Dienst, doch sie konnte den Kollegen überreden, die Aufsicht am Nachmittag zu übernehmen. So hatten die beiden einen halben Tag für sich. Er erwartete sie ungeduldig vor dem Eingang der Thermen. Sie kam etwas verspätet, und machte seinen beginnenden Unmut durch ihr entzückendes Aussehen, sie trug ein luftiges, weißes Sommerkleid mit tiefem Ausschnitt, wieder wett. Sie gingen im Park spazieren und hatten sich viel zu sagen. Sie schien über ihr Zusammensein glücklich zu sein, aber sie machte trotzdem einen unruhigen, leicht gehetzten Eindruck. Sie schaute öfters um sich, also ob sie jemanden suche und war manchmal nicht bei der Sache, wenn er ihr Geschichten aus seinem Leben erzählte. Sie gingen mit geringem Abstand nebeneinander, denn sie hatte alle physischen Annäherungsversuche abgeblockt, kein Händchenhalten, kein Arm um die Schulter, geschweige denn einen Kuss. Entweder war sie zu schüchtern oder, was er eher glaubte, sie hatte Angst vor ihrer eigenen Courage. Sie gab ihm mehrfach zu verstehen, dass sie spätestens um halb neun gehen müsse, weil das Bad um acht schloss und sie immer pünktlich daheim sein müsse. Er lud sie zum Essen ein. Sie zierte sich, weil sie daheim essen müsse. Er bedrängte sie und schließlich willigte sie ein. Um acht war das Essen beendet und kurz danach waren sie wieder im Park. Sein Ansinnen, sie bis vor ihr Zuhause oder wenigstens in die Nähe ihres Zuhauses zu begleiten, wehrte sie erschrocken ab. Das gehe auf gar keinen Fall, wenn man sie zusammen sehen würde, dann. Sie überließ es ihm, sich auszumalen, was dann passieren würde. Aber einen Abschiedskuss nach diesem schönen Tag, den könnte sie ihm doch nicht verwehren. Aber auch hier entsetztes Ablehnen, mit der Ausrede, dass sie ihr Make-up nicht erneuern könne und das würde auffallen. So bestand die ganze Annäherung an diesem Tag aus einer flüchtigen Umarmung mit abgewendetem Kopf. Sie bedankte sich dabei jedoch flüsternd für den schönen Nachmittag und fügte hinzu, dass sie sich freue, ihn am nächsten Tag wieder im Bad zu sehen. Dann löste sie sich aus seinen Armen und ging rasch in Richtung Parkausgang und er sah ihr nach, bis ihr helles Kleid aus seinen Blicken entschwand.

Er machte sich, leicht enttäuscht und etwas verunsichert, aber dennoch voller Liebesglück auf den Weg in seine Unterkunft, die am anderen Ende des Parks lag, als unvermittelt zwei Männer vor ihm auftauchten. Sie waren aus einem Gebüsch herausgetreten und stellten sich direkt vor ihn, so dass auch er stehen bleiben musste. Ihre Gesichter konnte er nicht erkennen, weil sie, wie die perfekten Bankräuber aus einem Fernsehfilm, Pudelmützen mit Sehschlitzen trugen. Dass sie jung und durchtrainiert waren und durchaus in die Kategorie kriminell passten, konnte er nicht nur sehen sondern auch spüren. Sie begannen sofort, ohne ein Wort zu verlieren, mit Fäusten und Fußtritten auf ihn einzuschlagen, sehr schnell, sehr hart, sehr gezielt, höchst professionell. Nach noch nicht einmal einer Minute war der Angriff beendet und die beiden Männer wieder verschwunden. Obwohl er laut aufgeschrieen hatte, als sie ihr Werk begannen, hatte niemand den Überfall bemerkt, niemand war ihm zu Hilfe gekommen. Zu dieser, für ein Greisenkurbad späten Stunde war der Park leer und verlassen. Er lag auf dem Boden, Blut floss aus seiner Nase, zwei Zähne wackelten, eine Rippe war angebrochen und das empfindliche Knie mit den frisch geklebten Bändern war durch einen wuchtigen Tritt fast in den voroperativen Zustand zurückversetzt worden, so dass er nicht mehr auftreten konnte. Er lag lange da und wimmerte um Hilfe, bis schließlich doch noch einige Passanten vorbei kamen und ihn in der Klinik ablieferten.

In der dritten Woche wusste er es sehr zu schätzen, dass er immer noch in der angestaubten Einrichtung war. Er saß im Rollstuhl, das Knie schmerzte bei jeder Bewegung, der Brustkorb stach bei jedem Atemzug, die Zähne taten nicht nur beim Kauen weh und seine lädierte Nase bot keinen schönen Anblick. Der Kurarzt sagte,  nachdem er ihn gründlich untersucht hatte, er könne froh sein, die Attacke einigermaßen gut überstanden zu haben. Eine neue Knieoperationen sei nicht erforderlich, es würde aber eine Weile dauern, bis er wieder so dran sei, wie vor dem Attentat. Er sagte Attentat und war wohl überzeugt, dass hinter dem Vorfall mehr steckte als nur eine Liebesgeschichte. Die Rippe, die Zähne und die Nase würden bei entsprechender Pflege von selbst heilen. Er müsse sich aber schonen und am besten zwei oder drei weitere Wochen hier bleiben. Bei diesen Worten konnte man so richtig merken, wie hocherfreut der Arzt über diese unerwartete medizinische Herausforderung war.

Die Klinik hatte natürlich die Polizei verständigt. Aber alle Nachforschungen verliefen im Sand. Die Bekannten und Verwandten der schönen Bademeisterin hatten samt und sonders perfekte Alibis und Spuren am Tatort gab es ebenso wenig wie Zeugen. So endete diese Kur mit einem Schatten, an den er noch lange denken würde.      

 

 

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